Mehr Wissen über unser Klima – Kieler Meeresforscher auf der dritten Weltklimakonferenz in Genf

Presseinformation vom 28.08.2009

Auf der vom 31. August bis 4. September 2009 in Genf stattfindenden dritten Weltklimakonferenz (WCC-3) diskutieren Experten die Möglichkeit verbesserter Klimavorhersagen, Klimainformationen und notwendige Anpassungen an den Klimawandel. Prof. Dr. Martin Visbeck, Sprecher des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ ist als Organisator der internationalen Konferenz ebenso mit dabei wie der renommierte Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Der Klimawandel findet statt. Die Temperatur der Erde steigt und das Eis der Arktis schmilzt mit einer für nicht möglich gehaltenen Geschwindigkeit. Der Meeresspiegel ist im vergangenen Jahrhundert um knapp 20 Zentimeter angestiegen, und er wird weiter steigen, um bis zu einem Meter bis zum Ende des Jahrhunderts. „Die Welt muss sich den Realitäten stellen und Wege finden, mit dem Klimaproblem umzugehen“, erklärt Prof. Martin Visbeck. „Die Weltklimakonferenz wird entscheidende Impulse für die 15. Vertragsstaatenkonferenz Ende 2009 in Kopenhagen liefern. Dort soll über ein Klimaschutzabkommen für die Zeit nach Auslaufen des Kyoto Protokolls im Jahr 2012 entschieden werden“, so Prof. Visbeck weiter. „Die Zeit drängt, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Dazu sollte die Temperatur im weltweiten Durchschnitt um nicht mehr als 2 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen. Kopenhagen muss die Wende in der internationalen Klimapolitik bringen und die Weltklimakonferenz in Genf ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg“, sagt Prof. Mojib Latif.

Ein Thema der Konferenz ist die Möglichkeit verbesserter kurzfristiger Vorhersagen für die kommenden Jahre. „Gerade der Zeitraum bis etwa 2030 fand in den bisherigen Projektionen zum globalen Klimawandel keine ausreichende Berücksichtigung“, erläutert Prof. Latif. So entwickelt sich zurzeit im Pazifik ein El Niño-Ereignis, eine natürliche Klimaschwankung, die weltweite Änderungen nach sich zieht. „El Niño sorgt in diesem Sommer für weniger Hurrikane in der Karibik und könnte im Herbst eine Dürre in Südostasien verursachen. Derartige Schwankungen von Jahr zu Jahr oder auch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt vorherzusagen, ist immer noch eine Herausforderung für die Klimaforschung“, fährt Prof. Latif fort.

„Better climate for a better world“ ist das plakative wie ehrgeizige Motto der Konferenz. „Die dritte Weltklimakonferenz hat das Potenzial, die bedeutendste wissenschaftliche Veranstaltung im Jahr 2009 im Klimabereich zu werden“, sagt Prof. Martin Visbeck. „Wir werden erstmals die Nutzer von Klimainformationen mit einbeziehen: etwa Länder der Dritten Welt, die - dank genauer Vorhersagen - rechtzeitig auf Dürreperioden oder Überschwemmungen reagieren und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten können. Unser Ziel ist es, die betroffenen Länder so gut wie möglich zu unterstützen und die internationale Zusammenarbeit zu stärken. Persönlich werde ich mich dabei für die Aspekte des Ozeans einsetzen, der eine ganz entscheidende Rolle im Klimasystem spielt“, so Prof. Visbeck.

Hintergrundinformationen:
Über die WCC-3
WCC-3 wird federführend von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und in Zusammenarbeit mit anderen Organen der Vereinten Nationen (UN) organisiert. Die dritte Weltklimakonferenz schließt an die beiden UN-Klimakonferenzen von 1979 und 1990 an, die beide schon das Anliegen verfolgten, den Klimawandel als globale Herausforderung zu begreifen. Die Konferenzen gelten als Meilensteine der internationalen Klimaforschung und brachten u.a. den 1988 gegründeten Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) hervor. Während andere Konferenzen der Vertragsstaaten sich oftmals auf den Bericht des IPCC – der aktuellste wurde 2007 veröffentlicht - berufen, diskutieren die Wissenschaftler auf der dritten Weltklimakonferenz in Genf auf Basis aktueller Erkenntnisse aus der Forschung.

Prof. Martin Visbeck – Sprecher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und Leiter der Forschungseinheit Physikalische Ozeanografie am IFM-GEOMAR - ist Mitglied im Organisationskomitee und Vorsitzender des Internationalen Programm-Komitees. Darüber hinaus ist er Sprecher der Session „Das Klima der Ozeane und Küsten“ (Climate of Oceans and Coasts) am 2. September.

Prof. Mojib Latif, Leiter des Forschungsbereichs Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) ist Sprecher in der Session am 1. September „Verbesserung der Wissenschaft für Klimavorhersagen“ (Advancing climate prediction science).

Links:
www.wmo.int/wcc3/follow_en.php (Vorträge der Konferenz als Videos)
www.wmo.int/wcc3
www.ifm-geomar.de
www.ozean-der-zukunft.de

Bildmaterial:
Unter www.ifm-geomar.de/index.php?id=presse steht Bildmaterial zum Download bereit.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Visbeck, Tel. 0431 – 600 4100, mvisbeck@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit), Tel.: 0431 – 600 2802, avillwock@ifm-geomar.de
Friederike Balzereit, Tel.: 0431 - 880 3032, fbalzereit@email.uni-kiel.de

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