Warum japanische Hirsche den Affen nachlaufen
Sechs junge Wissenschaftler der Kieler Christian-Albrechts-Universität und des Exzellenzclusters ‚Ozean der Zukunft’ erlebten spannende Feldforschung auf der japanischen Insel Yakushima. Yakushima, eine Insel vor dem japanischen Festland, etwas größer als Usedom, ist das, was viele als Paradies beschreiben würden. Ein immergrüner Feuchtwald, Wasserfälle, heiße Quellen und ein Zedernwald, dessen teilweise über tausend Jahre alte Bäume von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.
Dorthin begaben sich sechs Kieler Nachwuchswissenschaftler im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Global Center of Excellence der Universität Kyoto vom 1. bis 20. September. Die Gruppe, zu der außer Biologen und Zoologen auch eine Mathematikerin und ein Wirtschaftswissenschaftler gehörten, unter-suchte gemeinsam mit ihren japanischen Kollegen Aspekte der Biodiversität. Die Forscher nahmen Proben von Pflanzen und Pilzen, untersuchten sie an-schließend im Labor und versuchten zu ergründen, wie sich natürliche Umwelt-bedingungen, aber auch menschliche Einflüsse auf die Entwicklung der Arten-vielfalt auswirken.
Beim Sammeln der Proben erlebten die Kieler auch die unangenehmeren Seiten der Feldarbeit: „Im feuchtwarmen Unterholz gibt es jede Menge Blutegel, die zielstrebig ihren Weg zu jeder unbedeckten Hautstelle finden. Manchmal bemerkt man sie erst, wenn sie vollgefressen abfallen und auf der Haut einen großen Blutfleck hinterlassen“, erzählt der Zoologe Sören Franzenburg, der diese Erfahrung am eigenen Leib machen durfte.
Die Tierwelt war ebenfalls Gegenstand der Forschung, auch wenn es dabei nicht um Blutegel ging. Auf Yakushima sind mehrere Gruppen japanischer Ma-kaken-Affen zuhause. Außerdem gibt es einen großen Bestand an Sikawild, einer Hirschart, die in geringer Zahl auch in Schleswig-Holstein vorkommt. Und diese Hirsche haben entdeckt, dass es sich lohnt, den Makaken zu folgen. Denn wenn die Affen sich in den Bäumen an den Früchten bedienen, fällt so Manches auf den Boden, und das bringt Abwechslung in den Speiseplan des Sikawildes.
„Wir konnten die Tiere aus nächster Nähe beobachten. Und weil sich die Affen-gruppen mittags zum Lausen gerne auf den Straßen zusammenfinden, ist es auch einfach, sie aufzuspüren“, berichtet Sebastian Fraune. Den promovierten Zoologen hat neben der wissenschaftlichen Arbeit auch das unkomplizierte Miteinander mit den japanischen Forschern erfreut. Japaner und Deutsche wohnten zusammen in traditionellen Tatami-Räumen und wurden mit klassischer japanischer Küche verwöhnt. „Die kulturellen Unterschiede spielten gar keine Rolle, das lief alles ganz locker“, so Fraune.
Für die Integrated School of Ocean Sciences des Exzellenzclusters ‚Ozean der Zukunft’, die den Austausch organisiert hat, ist diese internationale wie interdis-ziplinäre Zusammenarbeit ein gelungenes Beispiel dafür, wie die Promotions-phase neben der profunden fachlichen Qualifizierung der Erweiterung des per-sönlichen Horizontes und der Persönlichkeitsentwicklung dient.
Die Vernetzung der beiden Exzellenzstandorte Kiel und Kyoto, die vom Vize-präsidenten der CAU, dem Zoologen Professor Thomas Bosch, ins Leben gerufen wurde, wird im kommenden Jahr durch einen Gegenbesuch einer japani-schen Doktorandengruppe weiter intensiviert.
Drei Fotos zum Thema stehen auf der CAU-Website zum Download bereit.
Kontakt:
Professor Dr. Thomas Bosch
Christian-Albrechts-Univeristät zu Kiel
Institut für Zoologie
Tel. 0431/880-4170
E-Mail tbosch@zoologie.uni-kiel.de
Dr. Avan Antia
Exzellenzcluster 'Ozean der Zukunft'
Integrated School of Ocean Sciences
Tel. 0431/880-2685
E-Mail aantia@uv.uni-kiel.de
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